Prof. Dr. Reinhard Herzog

Liebe Leserinnen und Leser,

mit einer Forderung von 10,5 % mehr Lohn ging die Apothekengewerkschaft in die diesjährigen Verhandlungen. Bis dato ist noch kein Verhandlungsergebnis abzusehen. Meist trifft man sich etwa in der Mitte. Haben die Arbeitnehmer bessere Karten wie derzeit, wird es ein Stück mehr, ansonsten etwas weniger. So könnten um die 6,5 % bis 7 % herauskommen. Viele selbstständige Kolleginnen und Kollegen sehen gerade dieser Lohnrunde mit größten Befürchtungen entgegen, trifft das doch auf allgemein stark steigende Kosten, denen nur unterproportional wachsende Erträge gegenüberstehen. Ergo leidet der Gewinn.

Allerdings wird die Apothekenzahl geschätzt um etwa 3 % abnehmen, und dieser beschleunigte Trend wird wohl im nächsten Jahr anhalten. Da die schließenden Apotheken eher kleineren Größenklassen zuzuordnen sind, dürfte das Arbeitskräfteangebot um vielleicht noch 2 % pro Jahr für die Übriggebliebenen steigen. Das entlastet den Arbeitsmarkt kaum. Dagegen wächst unser Absatzmarkt bisher in 2023 recht ordentlich. Die Energiekosten haben sich wieder entspannt. Der Höhepunkt der Inflation liegt hinter uns. Angesichts der Nachfrageschwäche werden manch überzogene Preise sogar wieder den Rückwärtsgang einlegen. Alles in allem dürfte dieses große Bild dafür sorgen, dass die Mehrzahl der Apothekenbilanzen nicht vollends zerschossen wird.

Die monetäre Bilanz ist das eine. Doch wie steht es um die sonstige berufliche und persönliche Bilanz? Fragen Sie sich: Hätte ich doch was Anderes gelernt? Fühlen Sie sich noch wertgeschätzt, oder eher nur als „5. Rad am Gesundheitswagen“? Der Berufsstand braucht nicht nur mehr Geld, sondern wohl auch einige tiefenpsychologische Sitzungen zur Selbstfindung seiner künftigen Rolle im Gesundheitswesen. „Zeigefinger des Arztes“ einerseits, gehorsamer Sachverwalter einer überbordenden Gesundheitsbürokratie anderseits können es allein nicht sein. Mehr Gedanken dazu auf meiner „letzten Seite“ ...

Setzen Sie trotzdem kraftvoll zum Jahresendspurt an,

herzlichst,

Ihr

Prof. Dr. Reinhard Herzog

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