Dr. Hubert Ortner
Liebe Leserinnen und Leser,
es erstaunt immer wieder aufs Neue, wie gutgläubig Apotheker sind. Beispiel Gedisa-Gründung vor dreieinhalb Jahren: Da wurden eben mal 30 Mio. Euro an Budget mobilisiert – nach der Devise: „Die werden schon etwas Gescheites entwickeln“. Einen belastbaren Business-Plan? Brauchen wir nicht. Einzig der AVWL-Vorstand hat damals kritisch nachgefragt und sich schließlich gegen eine Beteiligung entschieden.
Höchste Zeit für eine nüchterne Bilanz. Wie steht es um den „Return on Invest“ für die 30 Mio. Euro an Zwangsgebühren? Und vor allem: Wie wettbewerbsfähig sind die Gedisa-Lösungen im Vergleich zu den Produkten vom „freien Markt“? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, haben wir uns diesmal auf einen „Tiefseetauchgang“ begeben und dabei Bemerkenswertes zu Tage gefördert (ab Seite 6). Zunächst fällt auf, dass die Gedisa weitgehend planwirtschaftlich funktioniert: Es gibt zwar 16 Gesellschafter – aber keinerlei Kontrolle durch den Markt. Dementsprechend sieht das Portfolio auch aus: ein Wildwuchs an selbstgestrickten und zugekauften Lösungen, vielfach redundant zu längst vorhandenen Angeboten. Harte Nutzerzahlen? Fehlanzeige. Angeblich aus „wettbewerbstaktischen Gründen“. Durchaus fragwürdig sind auch die Summen, die man für den Zukauf von apomondo sowie die Entwicklung und den Betrieb für das apothekenportal.de bezahlt hat. Fremdes Geld gibt sich eben leichter aus als eigenes. Und es stecken noch weitere Produkte in der Pipeline: ein Retax-Portal, ein Arzttermin-Tool und eine DMS-Lösung. Alles längst vorhanden.
Eines sollte man der Gedisa bei aller Kritik aber dennoch zugutehalten: Mit der CardLink-Middleware-Lösung hat man es geschafft, den Software-Firmen auf Augenhöhe entgegenzutreten. Darin liegt auch für die Zukunft der Mehrwert der Gedisa: mit einem robusten Mandat im Rücken branchenübergreifende Standards zu entwickeln. Das B2C-Geschäft sollte man hingegen jenen überlassen, die etwas davon verstehen. Dazu würde dann auch ein Bruchteil des Budgets ausreichen.
Es grüßt Sie herzlichst
Ihr
Dr. Hubert Ortner
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